ReqIF

ReqIF (Requirements Interchange Format) ist ein offenes, XML-basiertes Austauschformat, das für den verlustarmen Transfer von Anforderungen mitsamt ihrer Strukturen, Attributen, Relationen und anhängigen Ressourcen zwischen unterschiedlichen Unternehmen und Softwaretools konzipiert wurde.

Produkt:
Normenmanagement

Im Kontext von Informations- und Normenmanagement in vernetzten Lieferketten oder unternehmensübergreifenden Projekten schafft ReqIF eine gemeinsame, konsistente Basis für Anforderungen – auch durch den zyklischen Synchronisationsprozess, bekannt als Round-trip. ReqIF erleichtert die Nachvollziehbarkeit normativer Anforderungen und unterstützt Sie dabei, regulatorische Vorgaben in komplexen Unternehmenslandschaften einzuhalten. Es ist wichtig zu beachten, dass ReqIF keine eigene Mechanik für Anhänge bereitstellt; binäre Dateien werden ausschließlich über Referenzen in XHTML-Inhalten eingebettet und bei Bedarf im Containerformat mit ausgeliefert.

Was ist ReqIF?

Das Requirements Interchange Format (ReqIF) dient dem standardisierten, verlustarmen Austausch von Anforderungen zwischen unterschiedlichen Anforderungsmanagement-Tools (RM-Tools) und Geschäftspartnern, ohne dabei an einen Anbieter gebunden zu sein. ReqIF basiert auf XML und stellt eine werkzeug- sowie herstellerneutrale Repräsentation von Anforderungen, Attributen, Hierarchien, Relationen sowie eingebetteten Ressourcen über Referenzen bereit. Ursprünglich in der Automobilindustrie als „RIF“ entwickelt, ist ReqIF seit 2011 offizieller Standard der Object Management Group (OMG). Die aktuell releasten Versionen sind 1.0, 1.1, 1.2 und das Errata-Update 1.2.1 – mit jeweils definierten Namensräumen. Der Einsatz erfolgt branchenübergreifend dort, wo komplexe Lieferketten, heterogene Tool-Landschaften und strenges Compliance-Management zusammentreffen.

ReqIF im Normenmanagement

Beim Management von Normen und regulatorischen Anforderungen übernimmt ReqIF eine zentrale Rolle. Während vor der breiten Verfügbarkeit standardisierter Austauschformate Anforderungen meist als PDF-, Word- oder Excel-Dateien kommuniziert wurden – oftmals unter Verlust von Struktur-, Attribut- oder Relationeninformationen – bietet ReqIF einen konsistenten, strukturierten Austausch auf Datenbasis. Sie übertragen nicht nur den Anforderungstext, sondern auch Status, Normreferenzen, Prioritäten und die Verknüpfung zu ergänzenden Elementen wie Testfällen. Dies ermöglicht eine einheitliche, nachvollziehbar versionierte Basis für alle Beteiligten – von OEMs über Zulieferer bis zu Prüfinstituten und internen Teams – und reduziert Compliance-Risiken deutlich.

Zentrale Konzepte und Aufbau von ReqIF

ReqIF beruht auf einem klar definierten Metamodell mit folgenden Kernkonzepten und Elementen:

  • SpecObject: Repräsentiert ein Informationsobjekt, beispielsweise eine Anforderung, Überschrift, Abschnitt oder anderes. Es wird mit Attributen wie ID, Titel, Beschreibung, Status und normativen Verweisen ausgestattet.
  • SpecType: Typdefinitionen für SpecObjects (SpecObjectType), Specifications (SpecificationType), Relationen (SpecRelationType) und Gruppen (SpecGroupType). Sie definieren die jeweiligen Attributstrukturen.
  • Specification: Ordnet mehrere SpecObjects hierarchisch zu einer Sammlung (z. B. Lasten- oder Pflichtenheft).
  • SpecHierarchy: Erfasst die strukturierte Anordnung (Einrückung, Verschachtelung) von SpecObjects innerhalb einer Specification.
  • SpecRelation: Stellt eine gerichtete Beziehung zwischen zwei SpecObjects her (source → target). Welche Bedeutung („verfeinert“, „testet“ usw.) besteht, legt der SpecRelationType fest. Beziehungen zu anderen Elementarten sind nicht vorgesehen.
  • SpecGroup: Gruppiert mehrere SpecObjects, um sie beispielsweise thematisch zusammenzufassen. Andere Elementtypen können nicht gruppiert werden.
  • SpecGroupHierarchy: Stellt die Struktur und Verschachtelung von SpecGroups dar.
  • AttributeDefinition / AttributeValue: AttributeDefinitionen spezifizieren mögliche Felder (Name, Datentyp, Wertebereich), während AttributeValue die jeweiligen Ausprägungen für ein Objekt festhält. Weitere Attributausstattung existiert in Specification, SpecRelation und SpecGroup.
  • DatatypeDefinition: Typisierung von Attributen. Unterstützt werden Boolean, Integer (mit min/max), Real (mit min/max), String (mit maxLength), Date, Enumeration (mit support für Mehrfachauswahl) sowie XHTML für Rich Text.
  • AlternativeID: Erlaubt eine systemübergreifend eindeutige und robuste Identifikation eines Objekts, wichtig für den Austausch über mehrere Tools hinweg.
  • longName: Sprechender Kurzname zur Anzeige in Benutzeroberflächen (nicht zu verwechseln mit ausführlichen Textbeschreibungen; dafür ist das desc-Attribut vorgesehen).
  • lastChange: Zeitstempel der letzten Änderung, gespeichert im ISO 8601-Format.
  • desc: Dient als Langbeschreibung oder Anmerkungsfeld.

Das Format unterstützt eine klar definierte Teilmenge von XHTML für Rich-Text-Attribute. Externe Ressourcen wie Bilder oder Dokumente werden über Referenzen (z. B. im XHTML-Inhalt über xhtml:img oder xhtml:object) angebunden und im ZIP-Container als separate Dateien ausgeliefert. Relative Pfade werden empfohlen, sind aber nicht zwingend vorgeschrieben. Die zentrale Speicherung von MIME-Typen erfolgt nicht; bei xhtml:object kann der Typ als Attribut mitgegeben werden.

ReqIF bietet zudem Herstellererweiterungen (ReqIF.ToolExtension) zur Integration herstellerspezifischer Zusatzdaten. Diese sollten dokumentiert und im Hinblick auf Interoperabilität sorgsam eingesetzt werden.

Containerstruktur und Aufbau einer ReqIF-Datei

Eine ReqIF-Datei gliedert sich in folgende Hauptkomponenten:

  • ReqIF: Wurzelelement des Dokuments.
  • ReqIFHeader: Enthält Metadaten wie creationTime, creationTool, title und comment, was die Nachverfolgbarkeit und Verwaltung der Datei im Unternehmen unterstützt.
  • ReqIFContent: Beinhaltet sämtliche fachlich relevanten Artefakte wie DatatypeDefinitions, SpecTypes, SpecObjects, SpecRelations, Specifications, SpecGroups und deren Hierarchien.
  • ReqIF.ToolExtensions: Optionale Erweiterungen für Tool-spezifische Daten.

Ein typischer ReqIF-Header sieht beispielsweise so aus:

<REQ-IF-HEADER>
 <COMMENT>Lieferantenanforderungen</COMMENT>
 <CREATION-TIME>2024-06-01T15:30:00Z</CREATION-TIME>
 <CREATION-TOOL>GLOMAS ReqIF Export</CREATION-TOOL>
 <TITLE>Projekt XYZ Lastenheft</TITLE>
</REQ-IF-HEADER>

Identifier und Objektidentifikation

Jedes Element in ReqIF besitzt einen identifier, der als XML xsd:ID deklariert wird und innerhalb der Datei eindeutig sein muss (Zeichenrestriktionen wie keine Leerzeichen, keine führenden Ziffern). Für einen systemübergreifend stabilen Austausch empfiehlt sich die Verwendung von GUIDs, da einige Tools bei Importen neue identifiers vergeben können. Die AlternativeID bietet die Möglichkeit, plattformübergreifende Referenzen zu erhalten und historische Nachvollziehbarkeit zu sichern.

Datentypen und Attributdefinitionen

ReqIF unterstützt folgende DatatypeDefinitions:

  • Boolean: Wahr/Falsch.
  • Integer: Ganzzahlen, optional mit Min/Max-Werten.
  • Real: Fließkommazahlen mit optionalen Grenzen.
  • String: Text beliebiger Länge (maxLength kann begrenzt werden).
  • Date: Zeitstempel im ISO 8601-Format.
  • Enumeration: Auswahllisten (single oder multiValued), Werte müssen per ID statt nach Anzeigenamen abgeglichen werden.
  • XHTML: Für strukturierte Texte, begrenzt auf eine festgelegte Whitelist von Elementen (z. B. p, ul, ol, li, table, tr, td, th, img, object, em, strong, br, span).

Bei der Auswahl von Attributen ist sicherzustellen, dass insbesondere Tabellen und Bilder nur verwendet werden, wenn im Zielsystem eine eindeutige Umsetzung möglich ist.

Spezifikationen, Relationen und Wiederverwendung

Specifications fassen eine Hierarchie von SpecObjects über SpecHierarchy-Elemente zusammen. Ein SpecObject kann in mehreren Specifications erscheinen, was sowohl Wiederverwendung als auch komplexe Strukturen unterstützt. SpecRelations sind gerichtet (source und target) und ausschließlich zwischen SpecObjects zulässig; ihre Semantik leitet sich vom SpecRelationType ab.

Beziehungen zwischen Spezifikationen, Gruppen oder anderen Elementarten sind laut Standard nicht vorgesehen und von Tools ggf. individuell zu modellieren.

Dateiformate und Container

ReqIF-Daten werden wie folgt ausgetauscht:

  • .reqif: Eine einzelne XML-Datei, die alle Strukturen und Inhalte abbildet. Binäre Dateien werden hier nicht eingebettet, sondern nur über referenzierende Attribute zugänglich gemacht.
  • .reqifz: Ein ZIP-Archiv, das eine oder mehrere .reqif-Dateien sowie alle referenzierten Ressourcen (z. B. Bilder, PDFs) als separate Dateien enthält. Hierbei erfolgt die Referenzierung üblicherweise über (relative) Pfade. Cross-File-Referenzen sind laut Standard nicht spezifiziert.

Der Einsatz von .reqifz ist unverzichtbar, wenn eingebundene Medien transportiert werden sollen.

XHTML-Unterstützung und Formatierungsrichtlinien

ReqIF gestattet die Nutzung einer genau festgelegten XHTML-Untermenge für Rich-Text-Attribute. Zulässig sind u. a. folgende Tags: p, ul, ol, li, table, tr, td, th, img, object, em, strong, br, span. Inline-Styles, CSS und nicht gelistete Elemente sind nicht zulässig und führen häufig zu Interoperabilitätsproblemen. Für Bilder empfiehlt sich die Verwendung gängiger Formate wie PNG oder JPEG, Zeichenkodierung ist stets UTF-8.

Die Plexibilität der Textgestaltung ist deshalb begrenzt – eine frühe Testphase mit „Golden Samples“ und realen Beispieldaten ist empfehlenswert.

Packaging, Ressourcenmanagement und Performance-Aspekte

Im .reqifz-Container werden alle extern eingebundenen Ressourcen nach klaren Namens- und Pfadkonventionen verwaltet (z. B. resources/Bild001.png). Bei sehr großen Datenmengen empfiehlt sich eine Aufteilung auf mehrere ReqIF-Dateien. Dies erhöht die Performance und vereinfacht das Handling der Datenpakete; Referenzen zwischen Dateien sind dabei vom Standard nicht vorgesehen.

ReqIF-Versionen und Namespaces

Folgende Versionen und Namespaces werden verwendet:

  • 1.0: http://www.omg.org/spec/ReqIF/20110401/reqif.xsd
  • 1.1: http://www.omg.org/spec/ReqIF/20110401/reqif.xsd (identisch zu 1.0)
  • 1.2 / 1.2.1 (Errata): http://www.omg.org/spec/ReqIF/20110401/reqif.xsd

Bei Austausch und Migration sollten alle Beteiligten die eingesetzte Version und Namensräume abgleichen, Versionierungen sauber kommunizieren und gegebenenfalls eine Konvertierung vorab abstimmen. Details zu den Unterschieden sind in den jeweiligen Spezifikationsdokumenten der OMG hinterlegt.

ReqIF Round-trip und Editiersteuerung

Im Round-trip – zyklischer Austausch, Bearbeitung und Abgleich von Anforderungen – werden folgende generelle Schritte durchlaufen:

  1. Baseline setzen: Dokumentation des aktuellen Standes.
  2. Export: Auswahl und Export der relevanten Anforderungen im abgestimmten Austauschprofil.
  3. Import im Zielsystem: Attributmapping, Konsistenzprüfungen.
  4. Bearbeitung: Modifikation von Anforderungen; gegebenenfalls Status- oder Inhaltsänderungen.
  5. Rückexport: Übermittlung der angepassten Daten an den ursprünglichen Absender.
  6. Abgleich: Überprüfung auf Differenzen, Konflikte und Synchronisationsprobleme; gemeinsame Klärung bei Unstimmigkeiten.

IDs (identifier, AlternativeID) müssen stabil und nachvollziehbar gepflegt werden. Die Steuerung, welche Attribute pro Specification editiert werden dürfen, erfolgt über das Feld specification.editableAtts (editierbare Attribute in einem Anforderungskontext). Für Löschungen existiert kein Standardmechanismus – bewährte Lösungen sind "deleted"-Status, Tombstone-Listen oder separate Protokolle.

Best Practices für ReqIF-Einsatz

  • Legen Sie gemeinsam mit allen Partnern ein detailliertes Austauschprofil (Mapping aller Attribute, Enumerationen, Datentypen) fest.
  • Verwenden Sie möglichst stabile, systemunabhängige IDs und führen Sie eine eindeutige Pflege von Enumerationswerten durch.
  • Nutzen Sie nur unterstützte XHTML-Tags; verzichten Sie auf Styles, CSS und nicht-standardisierte Inhalte.
  • Dokumentieren Sie alle Feldzuordnungen, Enumerationslisten und deren Mapping; stimmen Sie die Informationen regelmäßig ab.
  • Setzen Sie vor jedem Austausch eine Baseline, führen Sie nach Verarbeitung Aktualisierungen durch.
  • Testen Sie den Prozess mit kleinen, dokumentierten Beispieldatensätzen („Golden Samples“).
  • Halten Sie den Einsatz von ToolExtensions minimal und genau dokumentiert.
  • Vereinbaren Sie klar definierte Prozesse für Löschungen oder Umstrukturierungen.

Häufige Fehler und Missverständnisse

  • ReqIF definiert nur den Austausch von Daten, nicht aber Freigaben, Verantwortlichkeiten oder Workflows.
  • Medien und komplexer Rich Text sind nicht immer in allen Tools kompatibel. Eine frühzeitige Interoperabilitätsprüfung ist unerlässlich.
  • Binäre Ressourcen sind ausschließlich über .reqifz und referenzierende Attribute im XHTML-Content übertragbar; ein Attachment-Objekt existiert nicht.
  • Inkonsistente oder neu vergebene IDs gefährden die Nachvollziehbarkeit, vor allem bei Enumerationswerten und Relationen.
  • Einfache Dateiformate wie Excel oder Word sind strukturell nicht adäquat und eignen sich nicht für die Übertragung von Anforderungsstrukturen oder Relationen.
  • Tool-spezifische Features wie Custom-Extensions können die Interoperabilität empfindlich einschränken.

Integrationsaspekte in Informations- und Normenmanagementsysteme

Eine tiefe Integration von ReqIF in Informations- und Normenmanagementsysteme schafft eine zentrale, konsistente Quelle („Single Source of Truth“) für normative Anforderungen. Mit Hilfe von standardisierten Attributen – wie Normreferenzen, Reifegradstufen oder Geltungsbereichen – lässt sich Compliance navigieren, dokumentieren und systematisch überwachen. ReqIF überträgt Relationen zwischen Anforderungen, aber keine direkte Verknüpfung zu externen Test- oder Prüfdatenbanken; dies setzt Integration auf Ebene der Werkzeuge voraus. Rollensteuerung, Audit-Trails und Freigabeprozesse werden im zentralen System organisiert und dokumentiert.

Sicherheit und Compliance

ReqIF bietet selbst keine Mechanismen für Verschlüsselung, digitale Signatur oder Rechteverwaltung. Zur Erfüllung von Compliance- und Datenschutzanforderungen empfiehlt sich:

  • Beschränkung auf erforderliche, nicht sensible Attribute beim Austausch („Data Minimization“).
  • Entfernung oder Kennzeichnung sensibler Informationen vor Weitergabe.
  • Export, Versionierung und Nachweisführung sind Aufgabe der führenden Systeme.
  • Prüfen Sie Lizenzen und Rechte für eingebettete Ressourcen vor der Weitergabe.
  • Schützen Sie Datenübertragung und -speicherung mit geeigneten IT-Maßnahmen; signierte, verschlüsselte ZIP-Container sind eine bewährte Option.
  • Räume Sie ungenutzte Metadaten und nicht mehr relevante Informationen vor dem Export auf.

Vergleich mit alternativen Austauschformaten

ReqIF bewahrt die vollständige Struktur, Attribute und Relationen einer Anforderungsdatenbank. Der Datei-basierte, asynchrone Austausch ist ideal für große Zulieferernetze mit unterschiedlichen Systemen. Alternativ bieten Ansätze wie OSLC (Open Services for Lifecycle Collaboration) eine servicebasierte Live-Integration über Standardschnittstellen. Viele Unternehmen kombinieren beide Methoden – als Paketexport für Massenübernahme und OSLC für Live-Synchronisation.

Tool-Unterstützung und Interoperabilität

Marktreife RM-, ALM- und Normenmanagementsysteme unterstützen ReqIF in wechselnden Versionen und Austauschprofilen. Achten Sie auf:

  • Unterstützung der eingesetzten ReqIF-Versionen und Compliance mit Austauschprofilen.
  • Mapping- und Umsetzungsfähigkeit aller erforderlichen Attributtypen, insbesondere bei Enumerationen und Mehrfachwerten.
  • Features wie Delta-Vergleich, Merging-Funktion und Verwaltung von Baselines.
  • Kompatibilität bei Rich-Text-Feldern, Bildern und Tabellenelementen.
  • Automatische Import-/Exportprozesse zur Integration in Ihre Systemlandschaft.
  • Deaktivierbarkeit von Tool-spezifischen Erweiterungen.

Fest vereinbarte Austauschprofile und Golden Samples reduzieren Interpretationsspielräume und helfen, Datenverluste zu vermeiden.

Qualitätssicherung und Validierung

Die Qualität robuster ReqIF-Daten sichern Sie durch:

  • Technische Validierung gegen das XSD-Schema der jeweiligen ReqIF-Version.
  • Zusatzprüfungen mit Schematron oder eigenen Regeln (z. B. Pflichtfelder, Attributprofile, Enum-ID-Prüfung).
  • Stichproben und komplette Prüfungen auf Referenzintegrität und Relationen.
  • Automatisierte Tool-Reports und kontinuierliche Qualitätssicherung.
  • Für große Kataloge empfiehlt sich eine Datei-Aufteilung und inkrementelle Validierung.

Empfehlungen für die Praxis und Ressourcen

Ziehen Sie die zusätzlichen Profile, Implementation Guides und Validierungsregeln aus dem ProSTEP iViP ReqIF Implementor Forum sowie Open-Source-Tools wie Eclipse RMF/ProR heran. Sogenannte Golden Samples dienen als Referenz für Import-/Exporttests und zur Absicherung der Schnittstellenkompatibilität.

Minimalbeispiel eines ReqIF-Auszugs:

<REQ-IF xmlns="http://www.omg.org/spec/ReqIF/20110401/reqif.xsd">
 <REQ-IF-HEADER>
   <CREATION-TIME>2024-06-01T10:00:00Z</CREATION-TIME>
   <CREATION-TOOL>GLOMAS ReqIF Exporter</CREATION-TOOL>
   <TITLE>Musterprojekt Lastenheft</TITLE>
   <COMMENT>Beispieldaten</COMMENT>
 </REQ-IF-HEADER>
 <REQ-IF-CONTENT>
   <DATATYPE-DEFINITIONS>
     <DATATYPE-DEFINITION-STRING IDENTIFIER="DT-01" LONG-NAME="Textfeld" MAX-LENGTH="255"/>
   </DATATYPE-DEFINITIONS>
   <SPEC-TYPES>
     <SPEC-OBJECT-TYPE IDENTIFIER="SOT-1" LONG-NAME="Anforderungstyp">
       <ATTRIBUTE-DEFINITIONS>
         <ATTRIBUTE-DEFINITION-STRING IDENTIFIER="AD-Text" LONG-NAME="Textbeschreibung" TYPE="DT-01"/>
       </ATTRIBUTE-DEFINITIONS>
     </SPEC-OBJECT-TYPE>
   </SPEC-TYPES>
   <SPEC-OBJECTS>
     <SPEC-OBJECT IDENTIFIER="SO-12" LONG-NAME="Software muss sichern" TYPE="SOT-1">
       <VALUES>
         <ATTRIBUTE-VALUE-STRING THE-ATTRIBUTE-DEFINITION="AD-Text">
           <THE-VALUE>System muss Daten redundant sichern.</THE-VALUE>
         </ATTRIBUTE-VALUE-STRING>
       </VALUES>
     </SPEC-OBJECT>
   </SPEC-OBJECTS>
   <SPECIFICATIONS>
     <SPECIFICATION IDENTIFIER="SPEC-1" LONG-NAME="Lastenheft">
       <CHILDREN>
         <SPEC-HIERARCHY IDENTIFIER="SH-1" OBJECT="SO-12"/>
       </CHILDREN>
     </SPECIFICATION>
   </SPECIFICATIONS>
 </REQ-IF-CONTENT>
</REQ-IF>

Häufige Fragen zu ReqIF

Was bedeutet ReqIF genau?

ReqIF steht für Requirements Interchange Format und ist ein offenes, standardisiertes, XML-basiertes Austauschformat zur verlustarmen Übertragung von Anforderungen mit allen Attributen, Strukturen, Relationen sowie referenzierten Ressourcen zwischen Systemen.

Worin liegt der Unterschied zwischen .reqif und .reqifz?

.reqif ist eine einzelne XML-Datei mit den kompletten Anforderungsdaten. .reqifz ist ein ZIP-Container, der eine oder mehrere .reqif-Dateien sowie separat referenzierte, eingebundene Ressourcen (z. B. Bilder, PDF-Dokumente) enthält. Nur mit .reqifz können Medien transportiert werden.

Unterstützt ReqIF Versionierung und Baselines?

ReqIF als Format bietet keine eigene Versionierungs- oder Baseline-Logik. Diese Funktionalität wird durch die jeweiligen Werkzeuge umgesetzt. Der Austausch erfolgt für jeweils eingefrorene Versionen („Baselines“).

Können Rich Text, Bilder und Tabellen zuverlässig übertragen werden?

Ja, im Rahmen der unterstützten XHTML-Whitelist lassen sich formatiertem Text, Bilder und Tabellen übertragen. Komplexe oder proprietäre Inhalte und nicht unterstützte Formatierungen führen jedoch oft zu Darstellungs- oder Übernahmeproblemen. Testen Sie frühzeitig mit Ihren Tools und Beispieldaten.

Eignet sich ReqIF für den Austausch von Normanforderungen?

Ja, ReqIF ist explizit für den Austausch komplexer, strukturierter Anforderungen entwickelt und unterstützt Attribute wie Normreferenz, Geltungsbereich, Nachweisart oder Reifegrad. Die gemeinsamen Austauschprofile sollten zuvor abgestimmt werden.

Was ist beim Round-trip besonders wichtig?

Achten Sie auf stabile, eindeutig gepflegte IDs und AlternativeID, besprechen und dokumentieren Sie das Attribut-Mapping, pflegen Sie verbindliche Baselines. Regeln Sie zudem den Umgang mit neuen, geänderten oder gelöschten Anforderungen vertraglich bzw. prozessual.

Worin unterscheidet sich ReqIF von OSLC?

ReqIF verfolgt einen datei- und zeitpunktbasierten, meist asynchronen Austausch per Datenpaket. OSLC bietet einen servicebasierten Austausch und ermöglicht systemübergreifende Live-Integration. Häufig werden beide Methoden parallel genutzt.

Welche Daten werden beim ReqIF-Austausch typischerweise nicht transportiert?

Nicht ausgetauscht werden Workflows, Zugriffsrechte, Änderungshistorien, tool-interne Sichten oder Skripte. Löschungen von Anforderungen sind im Standard nicht geregelt und müssen bilateral abgestimmt werden.

Wie werden Löschungen von Anforderungen gehandhabt?

Das Format sieht keinen spezifischen Mechanismus vor. Übliche Praxis: Status „deleted“, separate Löschprotokolle, Mapping-Tabellen oder Vereinbarungen über explizite Listenführung.

Wie unterstützt ReqIF Mehrsprachigkeit?

Der Standard bietet keine dedizierte Mehrsprachigkeitsmechanik. Lösungen sind die Pflege paralleler Attribute pro Sprache, Nutzung von xml:lang in XHTML oder separate Specifications. Die praktische Umsetzung muss in den Tools abgestimmt werden.

Welche Uhrzeit- und Datumsformate gelten in ReqIF?

Zeitangaben, wie im lastChange-Attribut, folgen ISO 8601 (z. B. 2024-06-01T08:00:00Z). Stellen Sie sicher, dass Ihre Tools Zeitzonen korrekt interpretieren.

Wie werden externe Referenzen (z. B. URLs) behandelt?

Sie können URLs als Attributwerte oder in Rich-Text-Feldern (XHTML, z. B. in ) aufnehmen. Für Medien empfehlen sich über xhtml:object oder xhtml:img referenzierte Pfade, idealerweise nachvollziehbar und portabel.

Ist ReqIF menschenlesbar?

ReqIF-Dateien sind als XML im Klartext lesbar, aber zur komfortablen Bearbeitung ist jeweils ein unterstütztes Werkzeug – etwa Ihr Informationsmanagementsystem oder ein spezielles RM-Tool – sinnvoll.

Was tun, wenn der Import fehlschlägt?

Prüfen Sie die Datei auf Schema-Konformität (XSD), stimmen Sie Attribut- und Wertelisten mit der Zielumgebung ab, testen Sie mit kleineren Datenbeispielen („Golden Samples“) und ziehen Sie Tool- und Profildokumentationen zurate.

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